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Freiwillige Feuerwehr Eschborn ... Vergangenheit und Gegenwart

Man schrieb den 10. Juni Anno 1910. Die Einwohner des Dorfes Eschborn feierten in den Oberwiesen das Kreis-Kriegerverbandsfest. Jung und alt drehten sich im frohen Tanze als gegen 23:30 Uhr der Schreckensruf "Feuer" erschallte. Alle Freude war dahin, und alle rannten nun dem Dorfe zu. Es brannte im Unterort die Scheune des Landwirts Wilhelm Datz. Kaum war die Pflichtfeuerwehr mit ihren beiden Spritzen in Tätigkeit, als erneut der Ruf "Feuer" erschallte.

Nun brannte die erst 1909 fertiggestellte Feldscheune von Johann Dahlem im heutigen Dörnweg. Da es sich bei diesem Brand um eine freistehende Feldscheune handelte und keine umliegenden Gebäude in Gefahr waren, wandte man sich der ersten Brandstelle zu. Die Pflichtfeuerwehr unter der Leitung ihres Commandanten Baltasar Schwerburger und viele Bürger des Dorfes, unter ihnen auch Pfarrer Paul, bekämpften den Brand. Doch man sah, daß nicht alles so klappte und noch bei den Löscharbeiten wurde der Entschluß gefaßt: "Wir gründen eine Freiwillige Feuerwehr".

Am 26. Juli 1910 fand die Gründungsversammlung statt und 29 aktive und 31 passive Mitglieder schrieben sich in die Listen ein. Nach einigen Schwierigkeiten wurde dann am 23. Oktober 1910 der Kaufmann Heinrich Dahlem zum 1. Commandanten gewählt. Schnell wuchs die Zahl der Mitglieder. Fleißig wurde geübt. Auch Marschieren in Marschordnung gehörte zur Ausbildung der damaligen Zeit. Überhaupt wurde der freiwillig übernommene Dienst sehr ernst und streng gehandhabt, unentschuldigtes Fehlen mit Geldstrafen belegt; bei mehrfacher Wiederholung wurde auch nicht vor dem Mittel der Ausstoßung (Ausschluß) zurückgeschreckt.

Am 07. Mai 1911 konnte der Commandant eine gut ausgerüstete und ausgebildete Wehr dem Gemeinderat und den Einwohnern bei einer Übung vorführen. Die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr Sossenheim spielte und aus den Nachbarorten waren Abordnungen der Wehren aus Rödelheim, Steinbach, Schwalbach, Unterliederbach, Nied und Höchst erschienen . Im Juli 1913 legte Heinrich Dahlem aus beruflichen Gründen sein Amt nieder und zu seinem Nachfolger wurde Karl Müller III gewählt.

Am 1. August 1914 begann der 1. Weltkrieg und traf die Wehr schwer. 27 Kameraden mußten den Soldatenrock anlegen und, um den Brandschutz zu gewährleisten, wurde der Wehr eine Pflichtfeuerwehr zugeteilt. Nach Beendigung des Krieges fand die Wehr erst 1919 zu ihrem früheren Vereinsleben zurück. 4 Kameraden waren im Krieg gefallen, 5 Mann verstorben. Aber nun ging es aufwärts. Die Übergabe einer von den Frauen gestifteten Fahne wurde mit einem Fest, einem Festzug und Weihe der Fahne vom 17. bis 19. Juni 1920 gefeiert. Es ist dieselbe Fahne, die noch heute bei vielen Anlässen unserer Wehr vorangeht.

Nach elf Jahren trat 1924 Commandant Karl Müller III zurück. Zu seinem Nachfolger wurde Heinrich Schmitt gewählt. Im Jahr 1927 wird die erste Motorspritze angeschafft und am 03. April eingeweiht. Abends wurde in der Turnhalle zum Tanze aufgespielt. Die Preise waren wie folgt festgesetzt: Eintrittspreis pro Person M 0,25, 4 Tänze M 0,50, ein Einzeltanz M 0,15 und ein Extratanz kostete M 3,--.

Vom 22. bis 24. Juni 1935 feierte man das 25-jährige Jubiläum mit Festzug und einem Festzelt. Nach Beendigung desselben legte Heinrich Schmitt, der elf Jahre Commandant war, sein Amt nieder, da man ihn zum Kreiswehrführer gewählt hatte.

August Kunz wurde sein Nachfolger und legte 1939 aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Nikolaus Kunz wurde zum kommissarischen Führer bestimmt.

Am 1. Mai 1939 enden die Aufzeichnungen mit dem Eintrag im Protokollbuch: ,,Nachdem ein vereinsmäßiges Bestehen einer oder aller Freiwilligen Feuerwehren von seiten der Regierung aufgehoben wurde, erlosch der seitherige Verein als solcher und wurde unter das Kommando eines Führers gestellt, der in seiner Person alle Verantwortung trägt und nach allen Seiten zu verantworten hat. Mithin wird das Protokollbuch geschlossen und alle Aufzeichnungen sind durch Schriftführer unzulässig." Albert Bindewald, Schriftführer. Geschlossen 1. Mai 1939.

So kann über das nun beginnende traurige Kapitel des II. Weltkrieges nur durch mündliche Aussagen unserer alten Kameraden berichtet werden. Die Wehr, unter ihrem Führer Nikolaus Kunz, nun der Polizeitruppe unterstellt, wurde zu Einsätzen nach Fliegerangriffen nach Frankfurt, Offenbach, Rüsselsheim, Sulzbach und anderen Orten befohlen.
Bei zahlreichen Einsätzen, manchmal während des Abwurfs von Brand- und Phosphorbomben, leisteten die Männer Hilfe. Tagelang kamen die Helfer nicht aus den Kleidern und die verstorbenen aktiven Kameraden berichteten uns von diesen grauenvollen Tagen. Auch unser Dorf blieb nicht verschont. So vernichtete eine Luftmine in der Nacht vom 25. auf den 26. August 1942 ein landwirtschaftliches Gehöft und mehrere Gebäude in der Neugasse und raffte fünf Menschen, darunter meine Cousine und deren Eltern, dahin.

In der Nacht vom 22. auf den 23. März 1944 verwandelte ein Luftangriff mit Brand- und Phosphorbomben Eschborn in ein Flammenmeer. Es brannte an 28 Stellen, meist landwirtschaftliche Gehöfte standen in Flammen und weit war der Feuerschein des brennenden Eschborn sichtbar.

Vieles wurde in dieser Brandnacht ein Raub der Flammen, doch durch den selbstlosen Einsatz der Feuerwehrleute, unterstützt von den Nachbarwehren, konnte noch größerer Schaden verhindert und viel Vieh gerettet werden. Dieser furchtbare Krieg forderte einen hohen Blutzoll von der Wehr. Neun Kameraden kehrten von den Kriegsplätzen nicht zurück.

1945 - Nach dem zweiten Welkrieg

Um so mehr Bewunderung muß man dem Wehrführer und Mitbürger Nikolaus Kunz entgegenbringen. Nichts ließ er unversucht, seine Wehr neu zu beleben. So genehmigte schließlich die amerikanische Militärregierung für den 28.11.1945 die erste Versammlung. ,,Nach sechs Jahren wurde wieder zum ersten Male eine Versammlung der Freiwilligen Feuerwehr abgehalten“, so beginnt das Protokoll dieser Versammlung, das von Otto Belger unterzeichnet ist. In dieser Zusammenkunft wird Nikolaus Kunz zum 1. Vorsitzenden gewählt, die Übungsabende auf den 2. Dienstag und Versammlungen auf den 4. Dienstag im Monat festgelegt. Noch heute finden unsere Übungsabende an den gleichen Tagen statt - 55-jährige Tradition. Durch viele persönliche Ansprachen gelang es Nikolaus Kunz, junge Männer für die Idee der Freiwilligen Feuerwehr zu begeistern und schnell stieg die Zahl der aktiven Kameraden. Das 40-jährige Jubiläum wurde vom 24. bis 26. Juni 1950 mit Festzelt und großem Festzug gefeiert. Festpräsident war Heinrich Schmitt. Nach 18 Jahren legte am 20.1.1958 Ortsbrandmeister Nikolaus Kunz sein Amt nieder. 

Dieser große Verfechter der Feuerwehrsache übergibt seinen Posten an den neu gewählten Ortsbrandmeister Valentin Steinle. Einstimmig wird für seine Verdienste Nikolaus Kunz zum Ehrenortsbrandmeister gewählt.

Eine im Jahre 1958 von den aktiven Kameraden durchgeführte Spendenaktion bei Firmen, Landwirten und Hausbesitzern erbringt den Betrag von DM 4.500,--. Diese Spendenaktion trägt mit zur Finanzierung eines neuen Löschfahrzeuges LF 8 bei, das Bürgermeister Graf 1959 dann der Wehr übergeben konnte.Vom 11. bis 13. Juni 1960 feierte man bei herrlichem Wetter das 50-jährige Jubiläum, ebenfalls mit großem Zelt und Festzug. Den gesamten Gewinn in Höhe von DM 5.000,-- übergab die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde, die mit Zuschüssen von der Brandversicherung einen neuen VW-Bus als Einsatzwagen für die Wehr anschaffte, ohne die Gemeindekasse damit belasten zu müssen.

Durch gezielte Mitgliederwerbung stieg die Anzahl der passiven Mitglieder auf über 400 an. In die Amtszeit von Valentin Steinle fiel die Entwicklung des Dorfes Eschborn zur Stadt. So wurden im Jahre 1964 1.000 Wohnungen fertiggestellt. Eine leidige Angelegenheit dieser Jahre waren die der schnellen Entwicklung nachhinkenden Hydrantenpläne, von Baufahrzeugen beschädigte oder nicht auffindbare Hydranten bei zahlreichen Löscheinsätzen in den Neubaugebieten. Mit Nachdruck wurde der Bau einer Ringwasserleitung gefordert und dann auch von der Gemeinde in Angriff genommen. Ständig mußte die Ausrüstung verbessert und dem Stand der Entwicklung Eschborns angepaßt werden. Nicht nur Schlauchmaterial, auch Atemschutzgeräte, Wärmeschutzanzüge und ein fahrbarer Pulverlöscher (P 150) wurden von der Verwaltung angeschafft und der Wehr zur Verfügung gestellt.

Das alte Spritzenhaus neben der Evangelischen Kirche platzte aus allen Nähten und der Bau eines modernen Gerätehauses mit Mannschaftsräumen wurde begonnen. Am 25. November 1967 war es dann endlich soweit und Bürgermeister Wehrheim konnte das neue Gerätehaus in der Unterortstraße und ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16 der Wehr übergeben. Langes Bemühen und Verhandeln hatte zum Erfolg geführt. Daß diese Geräte und Fahrzeuge, verbunden mit hohen Geldausgaben aus der Gemeindekasse, von großem Nutzen waren, bewiesen die Großbrände 1969 bei Firma Verpackungstechnik und 1970 bei Firma Brangs und Heinrich.

Gründung der Jugendfeuerwehr

Um den Nachwuchs an aktiven Kameraden zu fördern, wurde am 13. Mai 1970 die Jugendwehr gegründet. Daß dieser Tag ein Markstein in der Vereinsgeschichte wurde, beweist die Anzahl der jungen aktiven Kameraden, die aus der Jugendwehr hervorgegangen sind. Das 60-jährige Bestehen wird in der Stadthalle, verbunden mit einem Platzkonzert und einer Schauübung auf dem Rathausplatz begangen. Als weiteres Löschfahrzeug wurde ein LF 16 am 11.04.1973 in Dienst gestellt.

In der Jahreshauptversammlung am 19.03.1974 trat Valentin Steinle nach 16 Amtsjahren als Wehrführer zurück. Für seine Verdienste und für 45 Jahre aktive Dienstzeit wurde er zum Ehrenortsbrandmeister ernannt. Heinrich Kunz wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

Am 7. Juni 1975 wird eine Drehleiter DL 30 der Wehr von der Stadtverwaltung übergeben. Vier weitere Löschfahrzeuge, 1 TLF 16, 1 LF 16, 1 LF 8 sowie 1 VW-Bus standen für den Brandschutz nun zur Verfügung.

Der Zusammenschluß Eschborns und Niederhöchstadts machte die Stelle eines hauptamtlichen Gerätewartes für Geräte und Fahrzeuge erforderlich und wird mit Kamerad Karl-Hermann Quehl besetzt.
Eine weitere Neuerung trat mit dem 01.01.1976 in Kraft: die stille Alarmierung durch Funkwecker. Von diesem Tage an bemerkten die Bürger nur noch selten die zahlreichen Feuerwehreinsätze, denn die Sirenen schweigen und werden nur im äußersten Notfall oder zur Überprüfung ausgelöst.

Das neue Hessische Brandschutzhilfeleistungsgesetz trat am 1. Juni 1976 in Kraft und brachte Unruhe und Veränderungen in die jahrzehnte alte Feuerwehrtradition. Bis zu diesem Datum gab es eine Freiwillige Feuerwehr mit aktiven und passiven Mitgliedern, nun eine Einsatzabteilung mit Ehrenabteilung und Jugendwehr mit einem Wehrführer. Außerdem nun den"Feuerwehrverein" , dem die Vorgenannten und die passiven Mitglieder angehören, mit einem Vorsitzenden. Außerdem sah dieses Gesetz für Städte einen Stadtbrandinspektor vor, der von allen aktiven Kameraden zu wählen ist. Beide Stadtteilwehren sträubten sich lange gegen diese neue Verordnung. Schließlich gelang es Stadtrat Dieter Wolf die Kameraden zu überzeugen, und so wählte man am 16.05.1977 Karl-Hermann Quehl zum ersten Stadtbrandinspektor und Gerhard Braunbeck zu seinem Stellvertreter. Wehrführer und gleichzeitig Vereinsvorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Eschborn blieb Heinrich Kunz. Im Zuge der Bestandserneuerung wurde am 13.05.1980 ein neues Löschfahrzeug LF 8 in Dienst gestellt und das alte, 1959 angeschaffte Fahrzeug der Jugendwehr übergeben. Eine Veränderung erfolgte 1983, als Heinrich Kunz sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung stellte. Neun Jahre stand er an der Spitze der Wehr, die nun Hans-Rudolf Gauf zu seinem Nachfolger und gleichzeitig Vereinsvorsitzenden wählte.

 

75 Jahre Bestehen der Wehr

1985 - die Freiwillige Feuerwehr wird 75 Jahre alt, ein dreiviertel Jahrhundert ist seit den Bränden 1910 vergangen, die zur Gründung führten. Ein Festgottesdienst in der evangelischen Kirche mit anschließender Totenehrung auf dem Friedhof eröffnet die Festlichkeiten. Auf dem Festplatz der Stadt Eschborn wurde ein großes Festzelt errichtet und am 31. Mai begann mit einem Festkommers die Jubiläumsfeier. Am darauffolgenden Tag war die Wehr Gastgeber des Kreisfeuerwehrtages. Bei einer Großübung der Freiwilligen Feuerwehren des Main-Taunus-Kreises demonstrierten diese ihre Einsatzkraft. Ein volkstümlicher Abend mit bekannten Künstlern beendete diesen Tag. Nach einem Frühschoppen am Sonntag, dem 2. Juni 1985, formierte sich ein langer Festzug unter Beteiligung vieler auswärtiger Wehren, mit Spielmannszügen, vielen Ortsvereinen, teilweise mit Festwagen, zu einem Umzug durch Eschborn. Ein Tanzabend beschloß diesen Tag. Nach einem Frühschoppen am Montag und einem weiteren Tanzabend fand das Fest mit einem Feuerwerk seinen Abschluß.

Ein neuer Einsatzleitwagen wurde im gleichen Jahr in Dienst gestellt. Ein Jahr später, 1986, wurde der Einsatzabteilung ein TLF 16/25 als Ersatzbeschaffung übergeben. Seit diesem Jahr beteiligte sich die Wehr jährlich mit einem Stand an den Weihnachtsmärkten und Eschenfesten. Diese Veranstaltungen werden genutzt, um das Ansehen der Wehr innerhalb der Bevölkerung zu verbessern. Der jährlich stattfindende Tag der offenen Tür unserer Wehr dient dem selben Zweck und wird von den Bürgern sehr gut besucht. An einem solchen Tag stehen wirklich alle Türen offen, Fahrzeuge und Geräte können besichtigt werden, und wer das Gespräch sucht, trifft auf Kameraden die alles bereitwillig erklären.

Bei den Vorstandswaheln ergeben sich Änderungen. Arnold Kirchner, der 33 jahre das Amt des Ersten Kassierers inne hatte, legte die Kasse in jüngere Hände. Reinhold Quehl wurde sein Nachfolger.
1993 ernannte Bürgermeister Herkströter unseren aktiven Kameraden und ehrenamtlichen Stadtrat Karlheinz Gritsch zum Dezernenten für den Brandschutz.

Im Zuge der Ersatzbeschaffung erhält die Wehr eine neue DLK 23/12. Im August 1993 legt Wehrführer Hans-Rudolf Gauf sein Amt wegen Wohnungswechsel nieder. Alfred Gauf übernahm bis zur Jahreshauptversammlung kommissarisch die Leitung der Wehr. In der Jahreshauptversammlung 1994 wurde er dann zum Wehrführer gewählt. Alfred Gauf, schon als Junge vom Vater mit dem Bazillus „Feuerwehr“ angesteckt, als Einziger von den damaligen Gründern der Jugendwehr 1970 noch aktiv, leitet von nun an an die Wehr. Frank Christian wurde sein Stellvertreter, sein Bruder Heiko leitet seit 1992 die Jugendwehr. Auch diese beiden Kameraden kamen aus der Jugendwehr und aus einer Familie mit Feuerwehrtradition, in der der Vater, Helmut Christian, Aktiver ist und der Großvater, Heinrich Christian, Ehrenmitglied und Mitglied der Ehren- und Altersabteilung ist. Bleibt noch anzumerken, daß der Urgroßvater von Helmut Christian und Ur-Urgroßvater von Frank und Heiko, Johannes Dahlem war, dessen Scheune 1910 brannte, was zur Gründung der Wehr führte.

Am 1. Juli 1995 feierte die Jugendwehr ihr 25-jähriges Bestehen. Heiko Christian als Leiter und Thorsten Heim als sein Stellvertreter hatten ein buntes Programm erstellt und eine kleine Festschrift drucken lassen. Neben der feuerwehrtechnischen Ausbildung der Jugend, werden besonders die Gemeinschaft und Freundschaft gefördert. Dies geschieht durch Fahrten, Spiele, Filmabende, Ferienlager, Betriebsbesichtigungen und Bildungsfahrten. Viele der heutigen aktiven Kameraden kamen aus der Jugendwehr und sind mit Vollendung des 17. Lebensjahres zur Einsatzabteilung übergewechselt. So können wir sagen, wäre nicht die Jugendwehr, wir hätten Nachwuchssorgen und so gilt es den früheren Leitern Jürgen Förster, Michael Geiger, Günter Eck und Heiner Haas Dank und Anerkennung auszusprechen.

Das Stadtbild hatte sich in den vorangegangenen Jahren nicht nur in der Innenstadt, mehr jedoch in den Industriegebieten verändert. Niedrige Gebäude wurden abgebrochen und an ihrer Stelle mehrgeschossige Bürobauten errichtet. Um Parkplätze für Kunden und Mitarbeiter zu schaffen, wurden teils mehrgeschossige Tiefgaragen erbaut. Diese Tiefgaragen mit den darin geparkten PKW stellen im Falle eines Brandes eine große Gefahr dar. Die meist niedrige Deckenhöhe dieser Garagen läßt ein Befahren mit normalen Löschfahrzeugen nicht zu und die Einsatzkräfte kommen an den Brandherd mit Gerät und Löschmittel nur zu Fuß heran. So wurde ein speziellen Fahrzeug in Dienst gestellt, das durch niedrige Bauweise und spezielle Ausstattung die Hilfeleistung in Parkhäusern und Tiefgaragen erleichtert.

Der 7. Juli 1996 war für die Kameraden Heinrich Christoph, Karl Fritz, Karl Jung, Erwin Kunz, Heinrich Kunz, Oskar Kunz, Friedrich Menje, Gerhard Wagner und Walter Zengeler ein besonderer Tag. Sie wurden mit der höchsten Auszeichnung, der Ehrenmitgliedschaft für 50-jährige, meist aktive Dienstzeit ausgezeichnet. Da der Schwerpunkt der Einsatztätigkeiten aber heute nicht mehr im Bereich der Brandbekämpfung, sondern bei der technischen Hilfeleistung zu finden ist, wurde auch diesem Umstand durch die Anschaffung von Sonderfahrzeugen Rechnung getragen. 
Für die Ölschadensbekämpfung, und hier besonders die Beseitigung von ausgelaufenem Öl und Kraftstoffen, wurde ein ehemaliges Fahrzeug des städtischen Bauhofes umgebaut und entsprechend ausgerüstet. Um auch im Bereich der umfangreichen technischen Hilfeleistung, auch im Zusammenhang mit gefährlichen Stoffen und Gütern aller Art, entsprechend ausgerüstet zu sein, wurde 1996 ein Rüstwagen-Gefahrgut in Dienst gestellt. Im selben Jahr wurde das Feuerwehrhaus um 2 Fahrzeughallen erweitert, um Platz für die Neuanschaffungen zu bieten.

Der Bürger hält es für selbstverständlich, wenn er in Not gerät, daß Hilfe von der Freiwilligen Feuerwehr kommt. Dabei wird übersehen, daß die Kameraden ihre Arbeitsstelle verlassen oder aus dem Schlaf gerissen werden um ehrenamtlich, ohne Bezahlung, Hilfe zu leisten. Er stellt dabei meist erst danach fest, daß die teuren Einsatzfahrzeuge keine Spielzeuge für technisch interessierte Männer sind, sondern schnell und wirksam die Einsatzkräfte unterstützen, Schäden zu begrenzen. Unverständlich ist es deshalb auch,daß die Mitgliederzahlen stagnieren und die der passiven Mitglieder stark rückläufig sind. Man muß sich fragen, ob ein Mindest-Jahresbeitrag von 18,-- DM für einen Bürger, Hausbesitzer, Eigentümer einer Eigentumswohnung, mit dem er die Freiwillige Feuerwehr unterstützen kann, zu viel ist.

Freiwillige, unentgeltliche Einsatzbereitschaft der Kameraden, die bereit sind, Leben und Gesundheit für Mitbürger einzusetzen – schon etwas Seltenes zum Anfang des neuen Jahrtausends.

Zum befürchteten Chaos ist es zum Jahrtausendwechsel nicht gekommen. Die Kameraden waren einsatzbereit im Feuerwehrhaus versammelt und feierten mit ihren Familien – selbstverständlich ohne Alkohol – ins neue Jahrtausend. 3 Minuten nach Mitternacht der erste Alarm: Brand im 24. Stockwerk eines Wohnhauses. Schnell war der Einsatzort erreicht, wo der Hausmeister erklärte, daß alle Fahrstühle außer Betrieb seien. Mit schweren Atemschutzgeräten und allem zum Löschen notwendigen mußten die Aktiven über die Treppen hoch an die Brandstelle. Mit „hopp, hopp“ und „auf, auf“ unterstützten die Hausbewohner kräftig die schwitzenden Feuerwehrleute. Selbstverständlich für sie, daß es Leute gibt, die kostenlos und ehrenamtlich auch an einem solchen Tag, wo andere feiern, kommen und Hilfe leisten. Ein tolles Verständnis für einen solchen Einsatz.

Kannten die früher Aktiven im kleinen Eschborn fast jeden, dem sie Hilfe leisteten, so ist dies im heutigen Eschborn nicht mehr der Fall. Es ist anonymer geworden. Dies wird besonders bei Bränden von Lagerhallen und Bürogebäuden und bei technischen Hilfeleistungen im gewerblichen Bereich erkennbar. Der Feuerwehrmann am Strahlrohr kennt nicht den Eigentümer oder Besitzer, der Nächste ist nicht erkennbar und trotzdem wird Brandschutz und Hilfe geleistet.

Doch es gibt auch Probleme, die die Aktiven betreffen. So ist das 1967 eingeweihte Feuerwehrhaus schon wieder zu klein. Teilweise stehen zwei Fahrzeuge hintereinander, und streng genommen ist das Umkleiden der Einsatzkräfte in der Fahrzeughalle nicht mehr zulässig. Auch die Schulungsräume sind zu klein und die Sozialräume bedürfen der Erweiterung. Ich bin sicher, daß die Stadtverwaltung Abhilfe schaffen wird, denn die Wünsche der Aktiven sind berechtigt.

Große technische Veränderungen sind erfolgt. Vom ledernen Löscheimer und der handbetriebenen Spritze zum modernen Löschfahrzeug mit Pumpen, Wassertank und Schaummittel, von der Holzleiter zur 30-m-Drehleiter, von der einfachen Schutzkleidung zum Feuerschutzanzug mit Preßluftatemgerät. Eines ist jedoch geblieben: der Feuerwehrmann, der diese Geräte bedient, der freiwillig bereit ist, Leben, Gesundheit und Freizeit für in Not geratene Mitmenschen einzusetzen. Mögen sich auch in den kommenden Jahren immer genügend Bürger für den freiwilligen Feuerwehrdienst zur Verfügung stellen und sich den alten Wahlspruch zu eigen machen

"Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr,
einer für alle, alle für einen."

Helmut L. Dahlem

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 zuletzt geändert am 31.12.08
Druckausgabe erstellt am 20.05.2012 18:58 Uhr