Gefahrstoffmesseinheit des Main-Taununs-Kreises

Die Gefahrstoffmesseinheit, auch GABC-Messgruppe (für atomare, biologische oder chemische Gefahrstoffe), des Main-Taunus-Kreises ist eine in Eschborn stationierte Einheit des Katastrophenschutzes/Bevölkerungsschutzes. Sie übernimmt bei Einsätzen des Gefahrstoffzugs des Main-Taunus-Kreises maßgeblich Mess- und Erkundungsaufgaben, kann aber auch von der kreiseigenen Gefahrstoffmesszentrale oder von Messzentralen der angrenzenden Landkreise angefordert werden. Daneben werden sämtliche Feuerwehren im Kreis bei Einsätzen mit Gefährlichen Stoffen und Gütern wie z.B. bei (Erd-)Gasaustritt, Kohlenmonoxid(CO)-Alarmen oder beim Austritt bekannter oder unbekannter Gefahrstoffe von der Messgruppe unterstützt.
Für ihre Messungen nutzen die in der GABC-Messgruppe engagierten Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Eschborn durch die Stadt, den Kreis, das Land oder den Bund zur Verfügung gestellte Fahrzeuge und Geräte, worauf sie entsprechend geschult sind. Zur Aus- und Weiterbildung der Mitglieder der Messgruppe gehört ein zweiwöchiger Lehrgang an der Landesfeuerwehrschule in Kassel zum Thema Gefahrgut/Strahlenschutz. Daneben findet monatlich ein theoretischer oder praktischer Übungsdienst in Eschborn statt.

Aufgaben der Messgruppe

Die Hauptaufgabe der GABC-Messgruppe ist die Messung bzw. Ermittlung von Gefahrstoffen nach Freisetzung durch Unfälle und Störfälle oder bei Bränden. Ebenfalls gehören Erkundungs- und Messaufgaben im Bereich des Strahlenschutzes sowie speziell Messungen nach einem Austritt atomarer Stoffe aus dem inzwischen stillgelegten Kernkraftwerk Biblis zum Aufgabengebiet. Hierfür kann die Messgruppe auch landesweit zum Einsatz kommen.
Eine weitere Aufgabe ist die Recherche von Stoffdaten, deren Bewertung in Zusammenarbeit mit einem Fachberater erfolgt.
Nach Freisetzung von Gefahrstoffen kann die Messgruppe zudem unter Berücksichtigung der aktuellen Wetterlage eine Ausbreitungsabschätzung vornehmen und diese auf Karten darstellen, womit sich das gefährdete Gebiet eingrenzen lässt. Hierfür steht auf einem Laptop das Programm Memplex sowie ein mobiler Multifunktionsdrucker zur Verfügung. Die benötigten Wetterdaten können dafür selbst ermittelt werden.
Außerdem steht Ausrüstung zur Verfügung, um Notfallproben von festen, flüssigen oder gasförmigen ABC-Gefahrstoffen zu nehmen. Die Auswertung dieser Proben kann jedoch nicht selbst durchgeführt werden, da hier spezielle Analysetechnik unter Laborbedingungen benötigt wird. Hier beginnt die Zuständigkeit verschiedener anderer Fachbehörden.

Fahrzeuge der Messgruppe

Als Fahrzeuge stehen der Messgruppe der vom Land Hessen beschaffte GW-Strahlenspürtrupp sowie ein kommunales Messfahrzeug zur Verfügung. Beide Fahrzeuge fahren im Einsatz- und Übungsfall immer im Verbund, da sie sich materiell und personell gegenseitig ergänzen.

Gerätewagen Messtechnik (GW-Mess):
Beim GW-Mess handelt es sich um den alten Einsatzleitwagen (ELW) der Feuerwehr Eschborn, der im Jahr 2016 nach Beschaffung eines neuen ELW als Messfahrzeug umgebaut wurde. Er dient dem Transport von Personal und weiterer Ausrüstung und Messtechnik. Da dieses Fahrzeug ursprünglich als Einsatzleitwagen konzipiert wurde, stehen die Einrichtungen von der Kommunikation und Recherche bis hin zum kleinen Besprechungsraum hilfreich zu Verfügung.
Details zum Fahrzeug: http://www.feuerwehren-eschborn.org/portfolio/gw-messtechnik/

Gerätewagen Strahlenspürtrupp (GW-StrSpTr)
Der GW-StrSpTr wurde vom Land Hessen für den Katastrophenschutz, genauer für Einsätze im Bereich des Kernkraftwerk Biblis und der (nie in Betrieb gegangenen) Nuklearanlage in Hanau entwickelt und flächendeckend jedem Landkreis bzw. jeder kreisfreien Stadt zur Verfügung gestellt. Es ist speziell mit Material für den Nachweis ionisierender Strahlung und Kontamination ausgestattet und wurde durch weitere Messtechnik ergänzt.
Details zum Fahrzeug: http://www.feuerwehren-eschborn.org/portfolio/gw-strahlenspuertrupp/

Messgeräte

Nachfolgend ein Auszug der vorhandenen Messtechnik:

A-Bereich:

Automess 6150AD
Das Automess 6150AD misst die Röntgen- und Gammastrahlung als Dosisleistung, also die Strahlendosis pro Zeiteinheit (µSv/h). In diesem Gerät ist ein Geiger-Müller-Zählrohr, umgangssprachlich Geiger-Zähler genannt, verbaut. Es zeigt die Zählrate auf einer analogen und digitalen Anzeige an und schaltet automatisch mit einem Warnton in den nächsten Anzeigebereich.
An diesem Messgerät können externe Sonden angeschlossen werden. Diese werden vom Gerät automatisch erkannt und die zum Sondentyp passenden Anzeigebereiche und Einheiten angezeigt. Folgende Sondentypen stehen zur Verfügung:

• Hochdosissonde
Diese Sonde dient wie es der Name schon sagt zum Messen von hohen Dosisleistungen.

• K-Sonde
Diese Sonde dient dem Nachweis von Oberflächenkontaminationen. Sie kann für die Messung von Alpha-, Beta- und Gammastrahlung eingesetzt werden. Beim Anschließen der Sonde schaltet das Messgerät automatisch auf die Einheit Impulse pro Sekunde (S-1) um.

• Szintillatorsonde
Diese Sonde besitzt aufgrund ihrer Bauart eine sehr große Empfindlichkeit und wird zur Messung der Dosisleistung von Röntgen- und Gammastrahlung eingesetzt. Durch den großen Detektor können kleinste Strahlenwerte schnell und genau (ab wenigen nSv/h) gemessen werden. Daher wird diese Sonde auch zur Messung der natürlichen Umgebungsstrahlung eingesetzt. Diese wird zweimal jährlich von der Messgruppe an fest definierten Stellen im Kreisgebiet ermittelt.

B-Bereich:

Da es im B-Einsatz nur sehr eingeschränkt zu verwendete Messgeräte gibt, ergeben sich die Aufgaben der Messgruppe als Amtshilfe für die zuständigen Behörden. Diese können je nach vorliegenden Erregern z. B. das Gesundheits-, Veterinär- oder das Pflanzenschutzamt sein.
Dies heißt nicht, dass die Feuerwehr in diesen Bereich nicht tätig werden kann. Ihre Aufgaben bestehen eher darin, die Gefahrenbereiche zu erkunden und abzusperren, Menschen in Sicherheit zu bringen, Proben zu nehmen und eine Schadenausweitung bzw. Ausbreitung der B-Gefahrstoffe zu verhindern. Zur Abwendung der Ausbreitung sind Desinfektionsmaßnahmen geeignet.

C-Bereich:

Dräger Xam 3000
Beim Dräger Xam 3000 handelt es sich um ein 4-Gas-Messgerät, mit dem brennbare Gase, der Sauerstoffgehalt, Kohlenmonoxid sowie Schwefelwasserstoff gleichzeitig in der Umgebungsluft gemessen werden können. Diese werden auf einer digitalen Anzeige direkt angezeigt und lösen bei Erreichen/Überschreiten voreingestellter Alarmschwellen einen Alarm aus. Als Zubehör kann ein Pumpenaufsatz angeschlossen werden, an dem eine Schwimmersonde für die Nutzung in z. B. Kanalschächten oder eine Teleskopsonde für bspw. Messungen unter der Zimmerdecke aufgesteckt werden können.

Auer Sirius PID mit ex-, O2-, CO- und H2S-Sensoren
Das Auer Sirius ist ein Mehrgasmessgerät, das neben den Sensoren für brennbare Gase, Sauerstoff, Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff noch über einen zusätzlichen Sensor zur Messung luftgetragener Schadstoffe verfügt. Dieser arbeitet nach dem Prinzip der Photoionisation, also das Ionisieren der Schadstoffe mit Hilfe elektromagnetischer Strahlung, die in einer UV-Lampe erzeugt wird. So wird der in dem Sensor erzeugte Ionenstrom aus der angesaugten Luft in ein Messsignal umgesetzt und angezeigt.
Da sich die Luftbestandteile (Stickstoff, Sauerstoff, Kohlendioxid, Edelgase) mit der Energie der UV-Lampe nicht ionisieren lassen, werden diese auch nicht angezeigt und stören das Messergebnis nicht. Andere chemische Substanzen wie z.B. Lösungsmittel, deren Ionisationspotenzial unterhalb der Energie der UV-Lampe liegt, werden dann entsprechend angezeigt.
Dieser Sensor kann nicht zwischen verschiedenen ionisierten Substanzen unterscheiden und liefert daher immer ein Summensignal. Nur wenn sicher bekannt ist, um welchen ionisierbaren Stoff es sich handelt, kann man dieses Gerät so einstellen, dass es eine genaue Konzentration anzeigt.
Daher ist dieses Messgerät für folgende Einsatzmöglichkeiten geeignet:
• Bestimmung der Konzentration von bekannten Schadstoffen (Messen)
• Auffinden von Leckagen an Behältern oder Anlagen (Spüren)
• Auffinden von Geruchsquellen innerhalb von Gebäuden (Spüren)
• Detektion von Schadstoffen (Summensignal) im Brandeinsatz (Spüren)
Der Photoionisationsdedektor liefert, wenn er den Stoff detektieren kann, ein kontinuierliches Bild der Situation. Es kann daher sehr leicht und sehr schnell die Veränderung der Schadstoffkonzentration eingeschätzt werden, d. h ob sie ab- oder zunimmt oder ob sie gleich bleibt.

Dräger PAC 7000
Das PAC 7000 ist ein Ein-Gas-Messgerät. In diesem Messgerät ist nur ein Sensor verbaut. Je nach Sensorbestückung wird der entsprechende Stoff gemessen und bei Überschreitung einer voreingestellten (gefährdenden) Konzentration davor gewarnt. Es werden derzeit Geräte mit Kohlendioxid-, Chlor- und Ammoniaksensoren verwendet.

Messgerät für Methan
Dieses Messgerät findet speziell bei Einsätzen mit (Verdacht auf) Erdgasaustritt Anwendung. Dies kann bei durch Baggerarbeiten beschädigten Gasleitungen der Fall sein oder bei Gasgeruch in Gebäuden, z. B. in Wohn-, Heizungs-, Technikräumen oder in Kellern.
Da Erdgas ursprünglich ein farbloses, geruchloses und brennbares Gas ist, kann es mit menschlichen Sinnen nicht wahrgenommen werden. Daher setzen Erdgasversorger einen Geruchsstoff zu (Odorierung, meist mit knoblauchähnlichem Geruch), damit es bei einer Leckage überhaupt bemerkbar ist.

Prüfröhrchen
Prüfröhrchen dienen der Konzentrationsmessung von gesundheitsgefährdenden Gasen und Dämpfen in der Luft. Hierzu wird neben den Prüfröhrchen eine Gasspürpumpe sowie weiteres Zubehör wie Röhrchenöffner und evtl. Adapter verwendet. Mit Hilfe der Gasspürpumpe wird die zu prüfende Luft durch die Prüfröhrchen gesaugt.
Die in den Prüfröhrchen befindlichen Substanzen reagieren mit dem Gefahrstoff und erzeugen so einen Farbumschlag. Die Länge des Farbumschlages zeigt dann die entsprechende Konzentration auf einer aufgedruckten Skala an. Das Messergebnis ist die Momentankonzentration zum Zeitpunkt der Messung. Jedes Röhrchen kann dabei nur einmal verwendet werden.

• Einzelröhrchen
Die verwendeten Einzelröhrchen sind Kurzzeitröhrchen, die zur Messung der Momentkonzentration von bekannten Gasen bestimmt sind. Dementsprechend werden viele verschiedene Röhrchen vorgehalten, um ein breites Spektrum an möglichen Stoffen abzudecken. Mit den Einzelröhrchen wird eine Quantitative Messung, also die Messung zur Bestimmung bestimmter Stoffe und Stoffgruppen, für saure Gase, basische Gase oder leicht oxidierbare Substanzen durchgeführt.

• Simultantestsets
Mit den Simultantestsets werden fünf verschiedene Gase gleichzeitig halbquantitativ gemessen. Dazu sind die Röhrchen parallel in einer Gummihalterung angeordnet, die nach dem Öffnen mit einem Adapter mit der Gasspürpumpe verbunden werden. Dadurch wird die Umgebungsluft gleichzeitig durch alle fünf Röhrchen gesaugt. Als Anzeige sind die Röhrchen mit zwei Markierungen versehen, die die Konzentration als unbedenklich, bedenklich und sehr bedenklich anzeigen. Als Grundlage der Bedenklichkeit werden die Einsatztoleranzwerte gesehen. Genauere Konzentrationsmessungen können mit entsprechenden Einzelröhrchen durchgeführt werden.
Folgende Simultantestsets werden vorgehalten:
Simultantestsets I und II für anorganische Brandgase
Simultantestset III für organische Dämpfe
Simultantestset Leitsubstanzen für Leitsubstanzen gemäß vfdb 10/01
Leitsubstanzen sind Stoffe in Gemischen (z.B. Brandrauch), die zur groben Abschätzung der Gefährdung durch das Gemisch oder zum Spüren nach dem Gemisch herangezogen werden können.

• Probenahmeröhrchen
Probenahmeröhrchen werden verwendet, wenn Schadstoffe in der Luft vermutet werden und nicht direkt durch andere Messtechnik nachgewiesen werden können. Hier werden die Schadstoffe aus der Luft mit einer Gasspürpumpe in die Röhrchen gesaugt, wo diese sich dann mit dem enthaltenen Trägermaterial wie Tenax, Aktivkohle oder Silicagel verbinden. Die Auswertung erfolgt anschließend mit einem analytischen Bestimmungsverfahren, z.B. unter Verwendung eines Gaschromatografen. Dadurch muss vor der Probenahme geklärt werden, in welchem Labor die Probe ausgewertet werden kann und wie diese dort hingelangt.